Die Sehschule – auch als Orthoptik bezeichnet, ist ein spezialisierter Teilbereich der Augenheilkunde, der sich mit der Diagnostik, Therapie und Verlaufsbeurteilung von Störungen des binokularen Sehens befasst. Hierzu zählen insbesondere Strabismus (Schielen), Nystagmus (Augenzittern) sowie Amblyopie (funktionelle Sehschwäche).
Grundlage des binokularen Sehens ist das koordinierte Zusammenspiel beider Augen sowie die zentrale Verarbeitung der Seheindrücke im visuellen Kortex. Erst durch die sensorische Fusion beider Einzelbilder entsteht ein einheitlicher Seheindruck, der die Voraussetzung für das Stereosehen (räumliches Sehen) bildet. Störungen in diesem komplexen System können zu Suppression, Doppelbildern oder Einschränkungen des räumlichen Sehens führen.
Eine besondere Relevanz hat die orthoptische Diagnostik im Kindesalter. Die visuelle Entwicklung unterliegt einer sensiblen Phase in den ersten Lebensjahren. In diesem Zeitraum können unbehandelte Störungen – insbesondere Strabismus, zur Ausbildung einer persistierenden Amblyopie führen. Eine frühzeitige Erkennung und konsequente Therapie sind daher essenziell, um irreversible Visusminderungen zu vermeiden.
Darüber hinaus ist die Sehschule auch in der Versorgung erwachsener Patientinnen und Patienten von Bedeutung, beispielsweise bei erworbenen Augenmuskelstörungen, neuroophthalmologischen Erkrankungen oder Diplopie.
Orthoptist:innen übernehmen innerhalb der Sehschule eigenverantwortlich zentrale diagnostische und therapeutische Aufgaben. Dazu gehören unter anderem die Untersuchung der Augenstellung und -beweglichkeit, die Beurteilung des Binokularsehens sowie die Durchführung und Begleitung therapeutischer Maßnahmen. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Augenärzt:innen ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der Patientenversorgung.
Medizinische Fachangestellte tragen ebenfalls maßgeblich zum strukturierten Ablauf in der Sehschule bei. Neben organisatorischen Tätigkeiten unterstützen sie bei der Patientenführung, der Vorbereitung diagnostischer Maßnahmen sowie der Nachsorge. Durch eine klare Kommunikation und strukturierte Abläufe leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit.
Der Begriff „Sehschule“ ist historisch geprägt und geht auf die frühere Annahme zurück, dass visuelle Funktionen gezielt „trainiert“ werden können. Auch wenn dieser Begriff heute weiterhin gebräuchlich ist, umfasst die moderne Orthoptik ein deutlich breiteres diagnostisches und therapeutisches Spektrum.
Fortbildungsmöglichkeit für Praxisteams
Für medizinische Fachangestellte und Praxismitarbeitende, die ihre Kenntnisse im Bereich der Orthoptik systematisch erweitern möchten, steht der eLearning-Kurs „Sehschule“ zur Verfügung.
Der Kurs vermittelt strukturiert die grundlegenden Inhalte der Sehschule, relevante Krankheitsbilder sowie die Rollenverteilung im interdisziplinären Team. Ziel ist es, die fachliche Sicherheit im Praxisalltag zu erhöhen und ein vertieftes Verständnis für diagnostische und therapeutische Abläufe in der augenärztlichen Versorgung zu entwickeln.
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